Jahreszeitenfiguren Schneeglöckchen

Im Winter, wenn Väterchen Frost Eis und Schnee über Wiesen und Äcker schickt, scheint die Natur zu schlafen. Sie liegt im Wandel, wie zu jeder Jahreszeit. Ein Wandel der neues Leben schenken soll und auf das wundersame Wirken von Mutter Natur vertraut.
Dieses Leben beginnt an einem Ort, an dem wir den Wandel nicht mit eigenen Augen miterleben können. Und doch wissen wir, dass etwas passiert, dass etwas unter der Erde passieren muss, damit es Frühling werden kann. Das neue Leben gedeiht im Erdreich, dort wo Mutter Erde ihre Schützlinge - die Wurzelkinder - betreut, die im vergangenen Herbst von Menschenhänden, in die Erde gesetzt worden sind.
Mutter Erde kennt jedes Wurzelkind bei seinem Namen. Auch wenn sie alle klein und unscheinbar vor ihr sitzen, weiß sie, dass aus der runden, braunen Knolle, im nächsten Frühjahr eine rote Tulpe wird und dass aus dem kleinen kieselsteingroßen „Etwas“ zur rechten Zeit ein Schneeglöckchen hervor tritt. Deswegen lehrt Mutter Erde allen Wurzelkindern, die man ihr anvertraut hat, wie sie sich verwandeln können.
Die Wurzelkinder haben nun eine arbeitreiche Zeit vor sich. Sie müssen lernen wie man ein Blütenkleid näht. Das ist gar nicht so einfach, weil jede Blume andere Merkmale aufweist. So braucht das Wurzelkind, das einmal eine hübsche Osterglocke werden möchte, viel Geduld beim nähen seiner sternenförmigen Blüten. Manche Blütenkleider haben sogar mehrere Farben und es ist gar nicht so einfach den richtigen Farbton zu treffen oder ihn genau dort hin zu platzieren, wo er hingehört. Doch Mutter Erde, die immer hilfreich daneben steht, passt auf, dass ihre Wurzelkinder die Farben nicht vertauschen und die Stängel und Blätter stets grün und nur die Blüten bunt werden.
Wenn der Februar die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf die Erde schickt und der Schnee von den Blumenbeeten und Wiesen weggekitzelt wird, weiß Mutter Erde, dass es für einige ihrer Blumenkinder nun an der Zeit ist, den Kopf aus dem Erdreich zu stecken. Die flinken Schneeglöckchen, die schon lange auf ihren Auftritt warten, sind als Erstes an der Reihe. Noch ist es kalt dort oben, warnt sie Mutter Erde, doch ein echtes Schneeglöckchen fühlt sich auch bei Minus Graden wohl und macht seinem Namen alle Ehre, wenn seine zarten Stängel aus der Schneedecke hervorblitzen und sich allmählich ein weißes Glöckchen an der Spitze bildet.
Sind die Schneeglöckchen erst mal an der frischen Luft, wollen auch die anderen Blumenkinder nachziehen. Dabei entsteht ein schönes Gedränge, weil die Tulpen mit den Krokussen mithalten möchten und auch die Osterglocken und Perlhyazinthen zum Osterfest ihr Debüt feiern wollen. Bald gibt es kein Halten mehr. Über und unter der Erde wird es wärmer und die Blumenkinder wollen die Sonne sehen. So gibt Mutter Erde dem Drängen ihrer Kinder mit einem weinendem und einem lachendem Auge nach. Sie ist ein bisschen traurig darüber, dass ihre Schützlinge in diesem Jahr so schnell flügge geworden sind. Der Winter war sehr kurz und Väterchen Frost hat dem Frühling Platz gemacht. Aber nun widmet sich Mutter Erde ihrer nächsten Aufgabe. Nachdem sie die Frühblüher groß gezogen hat, muss sie sich Gedanken um die Sommerblumen und um die Früchte machen.
Da kommt einiges an Arbeit auf sie zu. Doch das Jahr ist lang und der Wandel geht weiter.